Christina Mair, Kristina Rebsamen und Caroline Staehelin haben globegarden 2009 gegründet und führen das Kita-Netzwerk bis heute gemeinsam mit der siebenköpfigen Geschäftsleitung. Ein Gespräch über die Anfänge, über ihre Teams und darüber, wie man zu dritt ein Unternehmen führt. Das Gespräch wurde im Oktober 2026 geführt.

Warum haben Sie globegarden gegründet?

Christina: Wegen einer Studie, die uns nicht mehr losgelassen hat. 2007 zeigte die Ökonomin Monika Bütler, dass sich Arbeiten für viele Mütter in der Schweiz kaum lohnte. In unserem Umfeld haben wir genau das erlebt: gut ausgebildete Frauen, die keinen Kita-Platz fanden oder deren Lohn fast ganz für die Betreuung aufging. Das fanden wir ungerecht.

Kristina: Bei mir kam noch etwas dazu. Ich hatte vorher in Südafrika beim Bau einer Schule mitgeholfen und gesehen, was ein guter Ort für Kinder bewirken kann. Als wir drei dann zusammensassen, war die Idee schnell klar.

Caroline: Kinder haben mich schon immer begeistert. Als Jugendliche habe ich viel gebabysittet und Nachhilfe gegeben. Mein Studium habe ich mit Medizin begonnen, und dabei ist mir klar geworden, wie viel sich in den ersten Lebensjahren entscheidet: Sprache, Vertrauen, die Freude am Lernen. Gerade in diesen Jahren brauchen Kinder einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen und gefördert werden. So einen Ort zu schaffen, war für mich eine Herzensangelegenheit.


Wie war die Anfangszeit?

Kristina: Intensiv. Tagsüber haben wir in den Gruppen zusätzlich mitgeholfen, abends bis Mitternacht die Administration gemacht. Einmal war ich bei einer Eingewöhnung dabei und bin mit dem Kind auf dem Sofa eingeschlafen. Das Kind war vom Spielen müde, ich vom Arbeiten.

Christina: Und nicht alles hat auf Anhieb funktioniert. In einer der ersten Kitas war beim Bau etwas mit den Abflüssen der kleinen Kindertoiletten schiefgelaufen, und sie liefen immer wieder über. Bis der Fehler behoben war, standen wir drei oft mit Eimer und Bürste da. Seither schauen wir bei jedem Umbau sehr genau hin.

Kristina: Die ersten Kitas haben wir selbst mit den Bauteams eingerichtet. Kisten ausgepackt, Möbel aufgebaut, und am Abend sassen wir zwischen Kartons, haben Pizza gegessen und waren stolz auf das, was wir mit eigenen Händen geschaffen hatten. Bis heute bin ich am liebsten auf der Baustelle.


Was haben Sie von Ihren Teams gelernt?

Christina: Mehr, als in jedem Ratgeber steht. Als meine Kinder klein waren, habe ich mir bei pädagogischen Fragen oft Rat bei unseren Pädagoginnen geholt, wenn eines nicht schlafen wollte oder plötzlich zu allem Nein gesagt hat. Unsere Betreuerinnen und Betreuer haben mich als Mutter sehr geprägt.

Kristina: Ich gebe zu, ich habe für zu Hause dasselbe Spielzeug gekauft wie in unseren Kitas. Wenn unsere Teams so genau wissen, was Kinder weiterbringt, sollen meine auch etwas davon haben.

Caroline: Von den Frauen in unseren Kitas habe ich gelernt, was Herz und Bodenständigkeit zusammen bewirken können. Sie bleiben ruhig, wenn es hektisch wird, finden für jedes Kind den richtigen Ton und für jedes Problem eine praktische Lösung. Das hat mich als Mutter und als Führungsperson geprägt. In der Kinderbetreuung war die Kita-Leitung lange die höchste Stufe, die man erreichen konnte. Bei uns geht es weiter: in eine Gebiets- oder Regionalleitung, in eine Fachbereichsleitung oder in die Verantwortung für Qualität oder Sicherheit. Mit jedem Schritt wächst auch das Einkommen. Für viele unserer Kita-Leiterinnen ist ihr Lohn heute das wichtigste Einkommen der Familie. Wenn ich sehe, wie sich diese Frauen bei uns entwickeln, mit eigenen Kindern und mit so viel Herz für die Kinder anderer Familien, dann bin ich einfach stolz.


Waren Ihre eigenen Kinder auch in einer globegarden Kita?

Christina: Ja, unsere Kinder sind alle in unseren Kitas gross geworden.

Caroline: Und wir haben gemerkt: Auch wenn man das Team gut kennt und jeden Ablauf weiss, fällt der Abschied am Morgen schwer, wenn man das eigene Kind abgibt. Wir haben einander dann gut zugeredet. Und unsere Betreuerinnen waren immer ganz lieb mit uns: «Das kommt gut.»


Was hat Sie in all den Jahren überrascht?

Christina: Wie viele Väter die Kinder bringen. Und wenn es um den Kinderwagen geht, wird gefachsimpelt wie beim Autokauf, manche Modelle heissen ja auch fast wie Sportwagen. Später übernehmen viele Väter die Fahrdienste zum Fussball oder zur Musikstunde. Familien haben sich in diesen Jahren sehr verändert, und das freut uns.


Sie führen globegarden seit 2009 zu dritt. Wie funktioniert das?

Kristina: Wir teilen uns bis heute ein Büro, und zwar ganz bewusst. So sind die Wege kurz und Entscheidungen schnell. Es kommt ständig jemand herein, und alle bekommen sofort mit, was los ist. Manchmal wird natürlich lange diskutiert, bis eine von uns sagt: «So, ihr zwei, ich kläre das jetzt.» Aber mit dem Herzen sind wir immer alle dabei.

Christina: Wir ergänzen uns auch gut. Ich habe überhaupt keinen Orientierungssinn. Ich verlaufe mich sogar in Gebäuden, die ich kenne. Ein Auto habe ich auch nicht. Wenn wir neue Standorte anschauen, sitzt deshalb Kristina am Steuer und erklärt mir, woher die Autobahn kommt und welchen Weg die Eltern am Morgen nehmen. Ich nicke dann sehr überzeugt. Zum Glück sucht sie die Standorte aus und nicht ich.

Caroline: Dafür nehmen Christina und ich es beim Aufräumen nicht ganz so genau wie Kristina. Wir halten es mit dem Satz, der Einstein zugeschrieben wird: Wenn ein voller Schreibtisch für einen vollen Kopf steht, wofür steht dann ein leerer?

Christina: Bei der Gründung hat jemand zu uns gesagt: «Jetzt seid ihr verheiratet.» Ganz falsch war das nicht. Mein Mann lacht jedes Mal, wenn ich am Freitagabend nach Hause komme und als Erstes sage: «Ich muss noch kurz Caro oder Kristina anrufen, wir hatten heute gar keine Zeit zum Reden.»


Was möchten Sie Eltern mitgeben?

Christina: Unser Jubiläumsbuch heisst «Über den Mut, nicht perfekt zu sein». Der Titel gilt auch für uns. Bei uns lief ebenfalls nicht immer alles nach Plan, zu Hause nicht und im Geschäft nicht. Geholfen hat uns, offen darüber zu reden, einander zu helfen und auch einmal über uns selbst zu lachen.

Caroline: Ein Satz hat mich als Mutter oft getröstet: Kinder sind ein bisschen wie das Wetter. Wenn gerade eine schwierige Phase ist, wenn ein Kind schlecht schläft, trotzt oder am Morgen beim Abschied weint, dann braucht es vor allem viel Liebe und ein bisschen Geduld. Oft scheint schon nach ein paar Tagen wieder die Sonne.

Kristina: Und trauen Sie Ihrem Kind etwas zu. Das musste ich als Mutter von Zwillingen erst lernen. Bei uns zu Hause wollten meistens beide genau dieselbe Schaufel, und zwar sofort. Ich wollte jedes Mal gleich schlichten. Dabei lösen Kinder so etwas oft erstaunlich gut selbst und sind danach richtig stolz. Diese kleinen Erfahrungen machen sie stark fürs Leben.


Was wünschen Sie sich für die nächste Generation von Familien?

Kristina: Dass jedes Kind einen Ort hat, an dem es sich geborgen fühlt.

Caroline: Dass die Menschen, die Kinder betreuen, die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.

Christina: Und dass Eltern nicht zwischen Beruf und Familie wählen müssen. Mütter nicht und Väter nicht.




Zahlen und Fakten zu globegarden finden Sie auf «globegarden auf einen Blick». Wie alles begann, lesen Sie in «Die Geschichte von globegarden».






 

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