Marco Spitz verantwortet bei globegarden den Betrieb und die Nachfolgelösungen, Galla Stambuk den Familienservice. Beide gehören zur Geschäftsleitung. Ein Gespräch darüber, was passiert, wenn eine Kita zum Netzwerk dazukommt, und was sich für Familien und Teams ändert und was bleibt. Das Gespräch wurde im November 2026 geführt.

Wie sind Sie zu globegarden gekommen?

Marco: Über einen Umweg. Ende der 1990er-Jahre war ich Unternehmensberater, und einer meiner Kunden war die Swissair-Gruppe. Sie wollte am Flughafen Zürich eine Kita betreiben. So bin ich zum ersten Mal mit Kinderbetreuung in Berührung gekommen, und das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Einige Jahre später, 2006, habe ich mit einem Partner ein eigenes Kita-Netzwerk gegründet und in zwölf Jahren auf über 30 Kitas ausgebaut. Damals wurden die meisten Kitas noch von Vereinen geführt. Dass in der Schweiz, wo Kinderbetreuung lange als Privatsache galt, aus eigener Initiative ein Netzwerk wie globegarden entstehen konnte, finde ich bis heute bemerkenswert. Die Gründerinnen kannte ich aus diesen Jahren, und wir haben uns immer sehr geschätzt. Nach dem Verkauf meiner Anteile haben sie mich 2020 gefragt, ob ich dazukommen möchte. Da musste ich nicht lange überlegen.

Galla: Bei mir war es eine Babypause. Vor meinen Kindern hatte ich eine Führungsstelle mit langen Tagen und Einsätzen am Wochenende. Nach der Geburt meines Sohnes habe ich eine Pause gemacht. Nach etwa einem Jahr wollte ich zurück, mindestens 60 Prozent, und ich habe mich ehrlich gefragt, ob sich das bei den Betreuungskosten überhaupt lohnt. Meine beste Freundin, die Gotte meiner Kinder, arbeitete bei globegarden und hat gesagt: «Bewirb dich doch.» 2017 habe ich angefangen und wollte es ruhig angehen. Nach einem Jahr haben mir die Gründerinnen die Leitung des Familienservice angeboten. Eigentlich hatte ich mir etwas anderes vorgenommen, aber ich konnte nicht nein sagen.

Marco: Das kenne ich. Bei den dreien kann man schlecht nein sagen.

Warum suchen Kitas eine Nachfolge?

Marco: Die Anforderungen an Kitas steigen laufend. Eine einzelne Kita muss heute sehr vieles allein stemmen: Fachpersonen finden, Weiterbildung, Sicherheits- und Hygienekonzepte, Administration, IT. In einem Netzwerk tragen wir das gemeinsam. Für viele ist es auch finanziell nicht einfach: Rund ein Drittel der Kitas in der Schweiz schreibt Verluste, das hat eine Umfrage des Branchenverbands gezeigt. Manche Kitas kommen deshalb zu uns, wenn es allein nicht mehr weitergeht. Über 20 Kitas sind so schon zu uns gekommen, auf Anfrage der bisherigen Inhaberinnen und Inhaber. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie viel Herzblut in so einer Kita steckt. Deshalb verstehe ich gut, was jemanden in diesem Moment bewegt.

Galla: Gerade dann haben Eltern verständlicherweise viele Fragen und auch Erwartungen. Manchmal wissen sie nicht, wie knapp es für ihre Kita war. Das müssen sie auch nicht. Für uns zählt, dass die Kinder ihre vertraute Kita behalten und das Team weiter für sie da ist.

Wie läuft es ab, wenn eine Kita zu globegarden kommt?

Marco: Am Anfang steht immer ein vertrauliches Gespräch. Wir lernen uns kennen und schauen gemeinsam, ob wir zusammenpassen. Nicht jede Anfrage passt zu uns, und für beide Seiten ist wichtig, dass es stimmt. Wenn ja, prüfen wir alles sorgfältig und machen einen Plan, wann und wie wir das Team, die Eltern und die Behörden informieren. Den Zeitplan legen wir mit der Gründerin oder dem Gründer zusammen fest. Und am Schluss feiern wir den Abschied gemeinsam. Nach so vielen Jahren Aufbauarbeit gehört das dazu.

Galla: Ab diesem Moment kommt mein Team dazu. Wir informieren die Eltern früh und persönlich, und vom ersten Tag an beantwortet unser Familienservice alle Fragen.

Was ändert sich für die Familien?

Galla: Zuerst das Wichtigste: Unser Ziel ist, dass für die Familien das Vertraute bleibt, also ihr Platz, ihre Betreuerinnen und Betreuer und ihr Alltag. Neu ist, dass sie vom ersten Tag an das ganze Netzwerk im Rücken haben. Ein Beispiel, das wir oft erleben: Mit dem zweiten Kind ziehen viele Familien um. Das erste Kind hatte in der Stadtwohnung noch Platz, für das zweite wünscht man sich ein Zimmer mehr. Weil wir an vielen Orten Kitas haben, können die Kinder oft innerhalb des Netzwerks wechseln. Das nimmt den Eltern in einer ohnehin anstrengenden Zeit viel ab.

Marco: Und mit der Zeit merken die Eltern auch, dass wir investieren, dort, wo es den Kindern am meisten bringt: in die Räume, ins Spielmaterial und ins Team.

Was bleibt in der Kita, und was wird neu?

Galla: Vieles darf bleiben, wie es ist. Ob eine Kita deutschsprachig oder zweisprachig ist, ein naturnahes Konzept hat oder ein besonderes Angebot für die Kleinsten: Familien hängen an «ihrer» Kita, und das respektieren wir. Überall gleich gelten Sicherheit, Kinderschutz und unsere Qualitätsstandards.

Marco: Wir gehen dabei Schritt für Schritt vor, meist über etwa zwei Jahre. Zuerst kommen die Grundlagen wie Sicherheit und Qualitätsstandards, danach die Kultur: unsere Werte, die Teamtage und die Weiterbildungen.

Was ist das SWAT-Team?

Galla: Der Name sorgt immer für Gesprächsstoff. Wenn eine Kita zu uns kommt, hat das Team viele Fragen, und das ist ganz normal: Was ändert sich, wie arbeitet die neue Trägerschaft, was bedeutet das für mich? Gleichzeitig sind die Kinder da und brauchen ihre Betreuerinnen und Betreuer. Damit die Gespräche nicht alle spätabends stattfinden müssen, gibt es unser SWAT-Team. Das sind erfahrene Kolleginnen und Kollegen aus unseren Kitas. Sie helfen in der ersten Zeit in den Gruppen mit, damit das Team den Kopf frei hat und wir in Ruhe alle Fragen besprechen können. SWAT steht bei uns für Stärkenorientierung, Wertschätzung, Achtsamkeit und Teilhabe.

Marco: Mit der Spezialeinheit der Polizei hat es also nur den Namen gemeinsam. Aber wenn am ersten Morgen vier erfahrene Betreuerinnen mit Kisten voller Spielmaterial vor der Tür stehen, hat es schon etwas von einem Einsatz.

Marco Spitz, Sie haben einmal gesagt: «Wir tragen hier nicht alle Plüschpantoffeln.» Was meinten Sie damit?

Marco: Dass Kinderbetreuung ein Beruf ist, und zwar ein anspruchsvoller. Manche denken bei einer Kita an Kuscheln und Basteln. Das gehört dazu, aber dahinter stehen klare Abläufe: wer wann da ist, was bei einem Notfall passiert, wie man jedes Kind im Blick behält. Klare Abläufe machen eine Kita nicht kälter. Sie sorgen dafür, dass die Wärme in jeder Kita verlässlich ankommt, auch an einem hektischen Montagmorgen.

Galla: Finken tragen bei uns trotzdem alle. Zumindest die Kinder.

Wie arbeiten Sie beide zusammen?

Galla: Sehr eng, gerade wenn eine Kita dazukommt. Marco denkt in Abläufen, ich denke in Familien.

Marco: Und meistens hat Galla recht. Wenn ich sage, der Plan steht, fragt sie: «Schön. Und wer erklärt das morgen um sieben dem Vater, der mit Znüniboxen, Laptop und zwei müden Kindern vor der Tür steht?»

Galla: Dafür hat Marco eine Ruhe, um die ich ihn manchmal beneide. Bei ihm wirkt auch der grösste Umbau wie ein Spaziergang.

Was möchten Sie Eltern sagen, deren Kita zu globegarden kommt?

Galla: Fragen Sie uns alles, auch die kleinen Dinge. So eine Nachricht ist für Eltern erst einmal ungewohnt, das verstehen wir gut. Meine eigenen Kinder waren in einer globegarden Kita. Ich weiss, wie wichtig es ist, dass man dem Team vertraut. Deshalb liegt uns so viel daran, dass das vertraute Team für die Kinder da bleibt.

Marco: Und geben Sie uns ein bisschen Zeit. Nach einem Jahr hören wir oft: «Eigentlich hat sich nicht viel verändert, nur ist manches einfacher geworden.» Für uns ist das das schönste Kompliment.

Mehr dazu in unseren Häufigen Fragen: Was ändert sich, wenn eine Kita zu globegarden kommt? Wie Galla Stambuk Familie und Beruf verbindet, erzählt sie in unserem Buch «brave not perfect». Wie alles begann: Die Gründerinnen im Gespräch.
 

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