Im Gespräch
Das Kind kommt zuerst: Silke Bührmann und Patricia Bergès im Gespräch
Silke Bührmann verantwortet bei globegarden Pädagogik und Bildung, Patricia Bergès das Rechnungswesen. Beide gehören zur Geschäftsleitung und sind fast von Anfang an dabei. Ein Gespräch darüber, wie Pädagogik und Zahlen bei globegarden zusammenfinden, was gute Qualität im Alltag ausmacht und wie man Mitarbeitenden Danke sagt. Das Gespräch wurde im November 2026 geführt.

Wie sind Sie zu globegarden gekommen?
Silke: Ich bin seit 2012 dabei, quasi von Anfang an. Damals war globegarden noch ganz klein, und ich habe als Kita-Leiterin angefangen. Heute bin ich in der Geschäftsleitung, aber am liebsten bin ich immer noch dort, wo die Kinder sind. Mein Weg ist bei uns nichts Besonderes: Mit jeder neuen Kita entstehen neue Führungsaufgaben, und viele davon übernehmen Kolleginnen und Kollegen, die bei uns angefangen haben.
Patricia: Bei mir war es 2011. Damals hatte globegarden erst eine Handvoll Kitas und war ein richtiges Start-up. Ich kam von Ernst & Young und wollte raus aus der Konzernwelt. Die meisten im Team waren halb so alt wie ich, und ich hatte zu Hause zwei kleine Kinder. Aber ich hatte grosse Lust anzupacken. Die ganze Buchhaltung habe ich von Grund auf aufgebaut, und nebenbei sind meine Kinder gross geworden. Heute haben beide ihr Studium abgeschlossen. Die Kita-Suche kannte ich selbst: Bei meinem Sohn kam der Platz erst, als er drei war. Zum Glück hat sich das in der Schweiz seither sehr verändert.
Wie arbeiten Pädagogik und Zahlen bei globegarden zusammen?
Silke: Sehr gut, weil klar ist, was zuerst kommt: das Kind. Unsere Gebiets- und Regionalleitungen kommen seit vielen Jahren aus der Pädagogik. Das haben wir schon in den ersten Jahren so entschieden. Wir unterstützen sie dabei, ein Team zu führen und gut zu planen. Und wenn es darauf ankommt, entscheiden sie für das Kind.
Patricia: Darum liegt die Verantwortung für die Kitas auch bei ihnen und nicht bei uns in der Buchhaltung. Wir geben ihnen die Zahlen, die sie für eine gute Planung brauchen.
Silke: Bei uns sagt man gern: Das Kind kommt vor dem Papier.
Kommen Sie als Zahlenmensch auch in die Kitas, Frau Bergès?
Patricia: So oft ich kann, weil ich es liebe. Mich interessiert, wer in unseren Kitas arbeitet, von der Lernenden bis zur Kita-Leiterin: Woher kommen sie, was haben sie erlebt, und warum fühlen sie sich bei globegarden zu Hause? Jede bringt ihre eigene Geschichte mit.
Silke: Und Patricia merkt sich alles. Wenn sie aus einer Kita zurückkommt, weiss sie oft mehr über das Team als ich.
Wie war der Wechsel aus der Welt der Zahlen in eine Welt voller Kinder?
Patricia: Ehrlich gesagt war ich gespannt. Vorher hatte ich vor allem mit Zahlen gearbeitet, in Teams mit vielen Männern. Bei globegarden war ich plötzlich fast nur unter Frauen, und ich hatte da so meine Vorurteile. Die waren nach ein paar Wochen weg. Hier wird angepackt, in der Verwaltung genauso wie in den Kitas. Lauter starke Frauen, die viel leisten und dabei sehr herzlich sind. Das gefällt mir bis heute.
Wo investiert globegarden?
Patricia: Vor allem in die Kitas und in die Menschen, die dort arbeiten. globegarden ist zu 100 % in Familienbesitz. Was wir erwirtschaften, setzen wir für faire Löhne, für die Ausbildung unserer über 300 Lernenden und für die Erneuerung unserer Kitas ein. So ist globegarden bis heute aus eigener Kraft gewachsen.
Silke: Das sieht man in den Kitas: neue Spielplätze, Möbel und Spielmaterial, eine bessere Akustik in den Gruppenräumen. Vieles davon fällt Eltern kaum auf, unseren Teams aber sehr. Wer einen ganzen Tag mit einer Gruppe Kinder verbringt, ist für jeden etwas leiseren Raum dankbar.
Patricia: Für mich ist das auch eine Frage der Verantwortung. Eine Kita soll für die Familien und für das Team auch in zehn Jahren noch da sein. Dafür muss sie auf gesunden Füssen stehen.
Wie sorgt globegarden dafür, dass die Qualität in jeder Kita stimmt?
Silke: Es fängt bei der Haltung an. Schon 2009 haben die Gründerinnen gesagt: Die ersten Lebensjahre sind auch Bildungsjahre. Damals war das in der Schweiz noch keine Selbstverständlichkeit, heute sehen das zum Glück die meisten so. Konkret gilt in jeder Kita ein gemeinsamer Qualitätsstandard, den wir mit Kolleginnen und Kollegen aus den Kitas entwickelt haben. Dazu kommen unser eigener Bildungsplan, eine sorgfältige Einarbeitung und die Weiterbildung in unserer Bildungsakademie. Wer darüber hinaus etwas Eigenes aufbauen möchte, ist herzlich eingeladen. Am Ende machen aber nicht die Konzepte die Qualität, sondern die Menschen, die sie mit Leben füllen.
Patricia: Und Silke hat ein besonderes Talent: Kinder erzählen ihr alles. Wenn sie in eine Kita kommt, weiss sie nach kurzer Zeit, wer ein Geschwisterchen bekommen hat, wer gerade einen Zahn verloren hat und was es zum Zmittag gab. Ich glaube, die Kinder merken einfach, dass sie wirklich zuhört.
Silke: Kinder sind halt die ehrlichsten Gesprächspartner, die man sich wünschen kann.
Was ist Ihnen aus der Corona-Zeit geblieben?
Silke: Wie langfristig die Gründerinnen denken. Während viele sparen mussten, haben wir weiter in die Kitas investiert: in Renovationen, Spielplätze, unseren Bildungsplan und in die Bildungsakademie mit 130 Kursangeboten pro Jahr. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass genug Reserven da waren und wir gut durch diese Zeit kommen. Das nenne ich nachhaltig.
Patricia: Dass das möglich war, verdanken wir einer vorsichtigen Planung in den Jahren davor.
Wie sagt globegarden den Mitarbeitenden Danke?
Silke: Auf eine Art, die ich so noch bei keinem anderen Arbeitgeber erlebt habe. Zweimal im Jahr haben wir einen Monat der Wertschätzung. Im Oktober nominieren Eltern Betreuerinnen und Betreuer für unsere Awards, jeweils für einen unserer Werte, und schreiben dazu, warum diese Person im Leben ihrer Familie einen Unterschied gemacht hat. An unserem Weihnachtsfest verleihen wir die Awards. Eine Betreuerin hat einmal gesagt, es fühle sich ein bisschen an wie bei den Oscars.
Patricia: Und danach lesen die Teams, was die Eltern geschrieben haben. Da bleibt kaum ein Auge trocken, auch in der Buchhaltung nicht.
Was kommt in den Kitas auf den Tisch?
Silke: In allen unseren Kitas wird täglich frisch vor Ort gekocht: Frühstück, Mittagessen und Zvieri. Bei unserer letzten grossen Elternumfrage haben 92 % das gesunde und frische Essen gelobt. Und wer noch Hunger hat, schöpft nach.
Patricia: Die Lebensmittel bekommen wir seit über 15 Jahren von Coop. Überhaupt arbeiten wir mit vielen Partnern schon seit der Gründung zusammen. Ich finde, das sagt viel über globegarden: Wir bauen Beziehungen auf, die halten, mit Familien, mit Mitarbeitenden und mit Partnern.
Silke: Das schönste Feedback zum Essen bekommen wir beim Abholen. Wenn es Älplermagronen gab, wollen manche Kinder gar nicht nach Hause.
Patricia: Und am nächsten Tag fragen die Eltern nach dem Rezept.
Was möchten Sie Eltern mitgeben?
Silke: Schauen Sie bei einer Kita nicht nur auf die Räume, sondern auf die Menschen. Wie reden sie mit den Kindern, und wie miteinander? Das sagt oft mehr als jedes Konzept.
Patricia: Trauen Sie sich, beides zu wagen. Als ich bei globegarden angefangen habe, hatte ich zwei kleine Kinder und einen Job, bei dem alles neu war. Es lief nicht immer perfekt, aber es hat sich gelohnt, für mich und für meine Kinder.
Mehr dazu in unseren Häufigen Fragen: Was lernen Kinder bei globegarden? und Was verdienen Mitarbeitende bei globegarden? Wie Patricia Bergès Familie und Beruf verbindet, erzählt sie in unserem Buch «brave not perfect». Wie alles begann: Die Gründerinnen im Gespräch.